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Teotihuacán

Tunneleingang gefunden


Teotihuacán ist eine der beeindruckendsten archäologischen Stätten der Welt. Die von etwa 100 v. Chr. bis 650 n. Chr. bewohnte Pyramidenstadt befindet sich in einem weiten Tal in Zentralmexiko auf etwa 2.300 m Höhe, also in etwa so hoch wie die nur knapp 50 km entfernte Hauptstadt Mexikos. Obwohl Teotihuacan seit über einem Jahrhundert wissenschaftlich erforscht wird, sind 95% der Ruinen noch nicht ausgegraben.

Bis zum rätselhaften Ende im 7. Jh., begleitet von einem verheerenden Brand, war Teotihuacan politisch, militärisch, wirtschaftlich und kulturell ein mächtiges Zentrum, das ganz Mesoamerika beeinflusste. In ihrer Blütezeit war die Stadt mit mehr als 150.000 Einwohnern auf ca. 20 Quadratkilometern eine der weltweit größten Metropolen jener Epoche.

Nach wie vor weiß man nicht genau, wer die Bewohner von Teotihuacan waren und kennt nicht einmal ihren ursprünglichen Namen. Als die Azteken in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus Norden kommend im zentralmexikanischen Hochland eintrafen und die Ruinenstadt entdeckten, verknüpften sie diese mit ihrem eigenen Schöpfungsmythos und gaben ihr den Namen Teotihuacan – "der Ort, an dem die Götter geschaffen wurden". Auch die Bezeichnungen der Sonnen- und der Mondpyramide sowie die "Straße der Toten" gehen auf die Azteken zurück.

Die Stadtanlage

Zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. wurde in Teotihuacan ein städteplanerisches Gesamtkonzept realisiert. Die Stadt mit ihrer schachbrettartigen Anlage war Ausdruck einer zentralisierten Herrschaft. In Nord-Süd-Richtung mit einer Abweichung nach Osten von 15,5 Grad verläuft als Hauptachse die "Straße der Toten", die bei der Mondpyramide beginnt und an der Sonnenpyramide vorbeiführt.

Teotihuacan war durch breite Straßen gegliedert, verfügte über ein Abwassersystem und eine Wasserversorgung. Die Pyramiden, Tempelbauten und Paläste waren mit Stuck verkleidet und mit Wandmalereien in leuchtenden Farben geschmückt. Es gab öffentliche Gebäude, Verwaltungsbauten und diverse Wohnviertel. Teotihuacan war eine kosmopolitische Stadt, die eine beachtliche Anzahl Fremder beherbergte. Menschen aus dem Maya-, Oaxaca-, und Golfküstengebiet wohnten in separaten Stadtvierteln. Obwohl sie fern von ihrer Heimat lebten, behielten sie viele Elemente ihrer heimatlichen Kultur bei.

Die wichtigsten Pyramiden sind die 63 Meter hohe Sonnenpyramide mit einer Seitenlänge von 225 Metern und die 48 Meter hohe Mondpyramide am nördlichen Ende der zwei Kilometer langen Straße der Toten. Das südliche Ende der Anlage, von der nur ein Bruchteil ausgegraben und erforscht ist, dominiert die von den Spaniern so genannte "Zitadelle" mit dem Tempel der Gefiederten Schlange, Quetzalcoatl, und des Regengottes Tlaloc, der mit 365 Köpfen dieser Gottheiten geschmückt war.

Hauptgottheiten

Die Namen der Götter, die in Teotihuacan verehrt wurden, sind nicht bekannt. Ihre Ikonografie ist indessen verbindlich definiert. Bei den Azteken lassen sich dieselben Gottheiten wiedererkennen. Deshalb werden die Götter von Teotihuacan mit den aztekischen Göttern gleichgesetzt und ebenso benannt: Tlaloc war der Sturmgott, der Gott des Regens und der Fruchtbarkeit. Er verkörperte aber auch die zerstörerische Wirkung von Regen und Wasser wie Unwetter und Überschwemmungen. Quetzalcoatl ist die Klapperschlange mit den Federn des Vogels Quetzal. Die Gefiederte Schlange war zuständig für die Fruchtbarkeit der Erde und für das Leben selbst. Tlaloc und Quetzalcoatl gehörten zu den wichtigsten Göttern in Teotihuacan. Huehueteotl, der Alte Gott, war für das Feuer zuständig und wurde als Schutzpatron von Haus und Herd vor allem im privaten Bereich verehrt. Er wird im Schneidersitz, mit faltigem Gesicht und einem Kohlenbecken auf dem Kopf dargestellt.

Herrschaftssystem

Über das Herrschaftssystem von Teotihuacan ist nichts bekannt. Man darf aber davon ausgehen, dass spätestens zu Beginn des 2. Jahrhunderts – als Teotihuacan eine einheitliche Planung erhielt – die Geschicke der Stadt in den Händen einzelner Personen lagen. Ihr Regierungssitz dürfte sich im Lauf der Jahrhunderte an verschiedenen Orten befunden haben: Im monumentalen Gebäudekomplex von Xalla, der sich nördlich der Sonnenpyramide befindet, und in den Wohnanlagen der Zitadelle, welche die Pyramide der Gefiederten Schlange flankieren. Im 4. Jahrhundert muss es zu einer radikalen Veränderung gekommen sein: Die mächtigen, skulptierten Schlangenköpfe der Quetzalcoatl-Pyramide wurden abgeschlagen, und auf einer Seite wurde eine große Plattform angebaut. Nach diesem Akt der Zerstörung errichteten die nachfolgenden Herrscher ihren Regierungssitz direkt über der "Straße der Toten".

Bis heute kennt man keine einzige Herrscherpersönlichkeit von Teotihuacan mit Namen. Es gibt auch keine Inschriften, die von ihren Taten Zeugnis ablegen. Dies steht in deutlichem Kontrast zu den gleichzeitig existierenden Maya, deren dynastische Geschichte bekannt ist: Sie ließen Stelen mit Inschriften aufstellen, die ihre Herrschaft verherrlichten und bedeutende Ereignisse aus ihrem Leben publik machten.

Handel, Krieg, Einflussbereich

Der große Reichtum von Teotihuacan beruhte zu einem erheblichen Teil auf dem Monopol über den Obsidianhandel. In der Nähe der Stadt befinden sich die wichtigsten Obsidianvorkommen Mesoamerikas. Ein anderes wichtiges Exportgut war die Keramik, besonders die prächtigen zylindrischen Dreifußgefäße. Ein gut ausgebautes Handelsnetz mit monopolisiertem Fernhandel, das Knüpfen politischer Kontakte und auch Kriegszüge hatten zur Folge, dass Teotihuacan seinen Machtbereich über das zentrale Hochland hinaus auf weite Gebiete Mesoamerikas ausweiten konnte.

Der Einfluss von Teotihuacan spiegelt sich vor allem in der Kunst und Architektur Mesoamerikas wider. Die in Teotihuacan entwickelte Fassadengestaltung in Form des Talud-Tablero – der wechselnden Abfolge von geböschten und kastenartig vorspringenden, senkrechten Mauern – prägte die Architektur in vielen Regionen Mexikos. Allerdings läßt sich nicht so einfach feststellen, wo Menschen aus Teotihuacan selbst ansässig waren und wo ihre kulturellen Eigenheiten lediglich nachgeahmt wurden. Archäologische Indizien sprechen dafür, dass die Teotihuacaner ihren Einfluss im Gebiet der Maya geltend machten:
In Kaminaljuyu übernahmen sie im 4. Jahrhundert die Herrschaft und in Tikal begründeten sie sogar eine eigene Dynastie. Auch in anderen Maya-Gebieten gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass sie ins politische Geschehen eingriffen. Diese Expansionsbestrebungen waren Teil eines größeren Phänomens, das sich nicht nur auf das Maya-Gebiet beschränkte, sondern auch in Monte Albán, der Hauptstadt der mächtigen Zapoteken, festzustellen ist. Mit den Zapoteken pflegten die Teotihuacaner intensive Beziehungen, und es scheint nicht ausgeschlossen, dass sie während einer gewissen Zeit sogar über Monte Albán herrschten.
Niedergang von Teotihuacan

Die Stadt Teotihuacan war das komplexeste und bevölkerungsreichste urbane Zentrum in der Zeit zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert – eine kulturelle und wirtschaftliche "Supermacht". Die dominierende kulturelle Stellung Teotihuacans in Mesoamerika ging im 7. Jahrhundert zu Ende. Weite Bereiche der Metropole wurden durch Feuer vernichtet. Die Gründe sind nach wie vor unklar, möglicherweise war die Zerstörung die Folge einer Invasion oder eines inneren Aufruhrs. Nach diesem Trauma blieb ein Teil der Stadt noch rund ein Jahrhundert lang bewohnt. Danach wurde der Ort verlassen.

Redaktionell bearbeitete Auszüge aus Pressetexten zur Ausstellung in Berlin, Juli - Oktober 2010

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Fototour


Alte Kulturen Mexikos
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- Teotihuacán Ausstellung
- Teotihuacán Sammlung
- Templo Mayor
- Xochicalco

Teotihuacan  /  © Map: Universes in Universe

Adresse:
Carretera Mexico Teotihuacán Km. 46,
Zona Arqueológica de Teotihuacán,
San Juan Teotihuacán, 03010
(ca. 50 km nordöstlich von Mexiko-Stadt)

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